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Photography by: Jeshu John

Interkulturelles Verstehen

Wie können wir geflüchteten Menschen besser helfen?

Mi 06.12. | 18:00 Uhr

Zwei Jahre nach der sogenannten „Flüchtlingswelle“ des Jahres 2015 zeigt sich, dass die Verortung geflüchteter Menschen in unserer Gesellschaft eine große Herausforderung für alle Beteiligten darstellt. „Integration“ bedeutet eine wesentlich anspruchsvollere Aufgabe, als bisher angenommen. Kulturelle Erfahrungen, die einen Fingerabdruck in der menschlichen Seele und im Gehirn hinterlassen, werden in einer Weise wirksam, die vielfältige Spannungen erzeugt. Diese müssen ausgehalten und thematisiert werden. Einfache Lösungen sind nicht in Sicht. Diese Veranstaltung versucht, Probleme zu benennen, Erfahrungen zu reflektieren und auszutauschen, um Impulse für die weitere Arbeit zu gewinnen. Auskunft geben werden die folgenden Referenten/innen, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind:

Prof. Jan Ilhan Kizilhan, Hochschule Villingen-Schwenningen
Prof. Kizilhan leitet das Sonderprogramm der Landesregierung Baden-Württemberg zur Aufnahme von jesidischen Kriegsopfern. Es ist ihm in dieser Funktion gelungen, rund 1.100 jesidische Frauen und Kinder aus den Flüchtlingslagern rund um Dohuk (Nordirak) nach Baden-Württemberg zu holen und ihnen als Überlebende nach dem an den Yesiden verübten Genozid eine neue Heimat und Hoffnung für die Zukunft zu geben. Er arbeitet als Gutachter für Gerichte und internationale Organisationen, u. a. für die Verfolgung der IS-Massenmörder durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Kizilhan gründete im Nordirak ein Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie. Dort bildet er mit einem internationalen Team Psychotherapeuten aus, damit vor Ort Menschen mit schwereren Traumatisierungen von eigenen Fachkräften behandelt werden können. Sein Vortrag lautet: „Trauma, Krieg und Flucht – Interkulturelle Aspekte der Arbeit mit Geflüchteten“.

Prof. Dr. Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut an der Universität Freiburg und IPU Berlin
Prof. Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychiater und Facharzt für Psychosomatische Medizin. Er ist seit den Jahren des Balkankrieges 1990 in der Behandlung traumatisierter Flüchtlinge aktiv und hat in einem Netzwerk von Therapeuten/innen auch sog. „illegale“ Flüchtlinge, teils ohne Aufenthaltsstatus, behandelt. Er ist Universitätsprofessor an der Universität Freiburg und Gastprofessor an der IPU Berlin. Bauer hat sich in Beiträgen (u. a. in der „taz“ und der „Badischen Zeitung“) zu den Ursachen terroristischer Gewalt geäußert und ist Autor viel beachteter Sachbücher, darunter „Schmerzgrenze“, ein Buch über die Ursachen von Gewalt. Schwerpunkt seines Vortrages ist „der Fingerabdruck, den kulturelle Erfahrungen in der Seele und im Gehirn hinterlassen“. Sein Vortrag lautet:  „Acculturation Stress – Was Integration wirklich bedeutet“.

Hiltrud Hainmüller, Studiendirektorin i. R. / Dr. Bernd Hainmüller, Seminarschulrat i. R.
Das Ehepaar unterrichtet als pensionierte Lehrer sog. VABO – Klassen, in denen geflüchtete Jugendliche innerhalb des Beruflichen Schulwesens die deutsche Sprache erlernen und Berufsorientierung gewinnen sollen. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus vielen Ländern, sprechen unterschiedlichste Sprachen, gehören verschiedenen Religionen an, leben in Freiburg als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge oder mit Geschwistern, manche mit der gesamten Familie. Jeder hat sein individuelles Schicksal, seinen je eigenen „Fingerabdruck kultureller Erfahrungen“ mitgebracht. Allen aber ist gemeinsam, dass sie Jugendliche sind, die einer besonderen Zuwendung und eines besonderen Schutzes bedürfen. Das Thema lautet: „Geflüchtete Menschen im Kontext Schule – Ein Bericht über bewegende Begegnungen“.

Die Moderation hat Stefan Hupka, Leitender Redakteur der Badischen Zeitung, übernommen.

Eintritt 12 € / Schüler mit Ausweis 5 €, Freier Eintritt für Menschen im Asylverfahren.
Alle Einnahmen des Abends kommen nach Abzug der Unkosten der Flüchtlingsarbeit zugute