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Foto: Marc Gilgen

Jazzfestival | Ron Carter

Sa 26.09. | 20:00 Uhr

Behutsam vibrieren die Saiten. Punktgenauer Ton, bedingungslos klar. Und leise. Die längsten Finger des Jazz tanzen scheinbar schwerelos auf dem Holzsteg entlang; sehnig, filigran und elegant. So wie Ron Carter klingt kein anderer. Sein Kontrabass fabriziert häufig einen knackigen Groove wie ein E-Bass, und doch ist es immer klar definierbar der Sound eines klassischen Instruments. Dann schwillt das Geräusch unwiderstehlich an. Payton Crossley streichelt dazu dezent die Becken, und Jimmy Green, der „Neue“ am Tenorsaxofon, sowie Pianistin Renee Rosnes schieben den Chorus auf die fein gehäkelte Rhythmusdecke.

„Bei uns weiß niemand, was wann genau passiert“, preist Carter das Alleinstellungsmerkmal des Foursight Quartets. „Gerade deshalb ist jedes Konzert eine echte Herausforderung. Wir spielen fast immer am Anfang 35 bis 40 Minuten am Stück. Keine Pausen, nur leichte Veränderungen, die den Beginn eines neuen Songs erkennen lassen. Wären wir eine klassische Formation, dann würde man das als Sinfonie mit fünf Sätzen bezeichnen. So etwas funktioniert nur mit dieser Band!“ Im vorliegenden Fall heißen die Sätze „Cominando“, eine knisternde Hardbop-Struktur, die den Geist der 1960er Jahre innerhalb weniger Takte ins 21. Jahrhundert transportiert, „Joshua“, seine Reminiszenz an den alten Freund und Partner Miles Davis, dem er viele Jahre als Weichensteller in dessen Quintett zur Verfügung stand und mit subtilen Einschüben das Hochfliegende der anderen Solisten erdete und ordnete, das träumerische „Little Waltz“, das heitere „Seguaro“ sowie eine kurze Reprise von „Cominando“.

Carter selbst sieht sich dabei als Monitor für die kreativen Energien, als sanfter, unscheinbarer Navigator, dessen Puls die Richtung vorgibt, der aber niemals die Fantasie, die Wucht des Momentums durch einen Ego- Anfall zerstören würde.

Ron Carter spielte in den vornehmsten Häusern und in den wüstesten Jazzclubs. Der Mann, der den Kontrabass endgültig aus der Schmuddelecke des Hintergrundinstruments hervorzerrte, weiß, dass Jazz auch ein Ringen mit Umgebungsgeräuschen sein kann. Vor allem in Clubs. Klirrende Gläser in Reihe vier, ein Räusperer in Reihe eins, irgendwo hinten das Quietschen der Klotür – der verblüffend jung gebliebene 82-Jährige begegnet diesen Interventionen der Realität in die Tonkunst stets höchst gelassen. Wenn es hinten zu laut wird, spielt er vorne eben ein kleines bisschen leiser. Bis sich alles wieder wie von selber regelt. Denn dieser hölzerne Korpus in der Mitte der Bühne führt wie kein anderer aus der Zunft ein Leben neben dem klassischen Walkingbass – ohne dabei das Walken zu vernachlässigen. Geduldig, überlegt und mit seiner ganzen natürlichen Autorität ordnen er und sein Besitzer die Dinge, stellen Zusammenhänge her und erklären mit wenigen, prägnanten Tönen den Lauf des Lebens. Carters eigene Soli entfernen sich von der haltlosen Expression. In der Reduktion liegt der Zauber des Abends. Keine Note zu viel, lieber die Pausen atmen lassen. Die Musik brummelt in den Köpfen weiter, selbst wenn er keine Töne mehr erzeugt und nur noch seine sehnigen Finger spielerisch in der Luft bewegt. Alle Kraft schlummert direkt unter der dünnen Oberfläche. Es knistert unaufhörlich, ohne jemals richtig zu explodieren.

Eintritt: 44,00€

Mit

Ron Carter (bass, lead)
Donald Vega (piano)
Jimmy Greene (tenor sax)
Payton Crossley (drums)


Gefördert von der Stadt Freiburg und dem Land Baden-Württemberg sowie von der Brauerei Ganter und der Sparkasse Freiburg


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